Geschichte der Fotografie
Die Geschichte und Entwicklung der Blitzgeräte
Bild: Wikipedia AHA Blitzlichtpulverlampe.jpg
Zu Beginn der Fotografie im neunzehnten Jahrhundert waren Fotografen auf das natürliche Tageslicht beim Fotografieren angewiesen. Aufgrund der niedrigen Empfindlichkeiten der Filmmaterialien, führte das zu relativ langen Belichtungszeiten. Die Erfindung der Blitzgeräte brachte die Fotografie ein großes Stück weiter. Man war nicht mehr auf die Sonne angewiesen, konnte auch abends und im dunklen Studio fotografieren. Glühlampen waren nur eine schwache Zwischenlösung. Sie waren wesentlich dunkler als das Tageslicht. Blitzgeräte leuchten dagegen in der kurzen Zeit der Blitzdauer extrem hell.
Doch bevor der Elektronenblitz erfunden wurde, experimentierte man zunächst mit chemischen Blitzen. Grundlegende Forschungen, die zu späteren Entwicklungen der Blitzgeräte führten, gab es schon um 1700.
Magnesium brennt schnell und heftig ab. Es entsteht ein kurz leuchtendes chemisches Feuer, das einem Blitz ähnlich scheint. Um 1700 stellen die Chemiker Grew 1695 und Valentin 1707 eine Verbindung her, die Magnesium enthält. Dies ist der erste Schritt des langen Prozesses der Isolierung von Magnesium als reines metallisches Element. Francis Hawksbee beobachtet Leuchterscheinungen in luftentleerten Glaskugeln, wenn deren Wandung durch Reibung elektrisch aufgeladen wurde.
1755 weist J. Black in England nach, dass Magnesium und Kalziumhydroxid verschiedene Substanzen sind.
1808 stellt Sir Humphrey Davy fest, dass Magnesium ein Element ist, obwohl es ihm nicht gelingt es zu isolieren. Erst 1829 isoliert Alexandre A.Bussy, ein französischer Chemiker, Magnesium in relativ reinem Zustand in geringen Mengen, die nicht für signifikante Tests ausreichen.
1838 entwickelt Michael Farady das „Elektrische Ei“, ein Glasgefäß mit eingeschlossenen elektrischen Leitern zum Studium verschiedener Formen von elektrischen Entladungen in Gasen bei unterschiedlichem Druck.
Im Prinzip gab es in der Entwicklung der Blitzgeräte 3 Technologien:
- Der Magnesiumblitz: Eine chemische Reaktion erzeugt helles Licht. Die Anwendung war sehr gefährlich (Verbrennungsgefahr) und erzeugte weißen dichten Rauch, der sowohl gesundheitsschädlich war, als auch an den Wänden des Studios haften blieb und das Studio so in kürzester Zeit verschmutze.
- Der Blitzkolben: Eine einmalverwendbare Glaskolben-Blitzlampe, die zerknüllte Metallfolie enthielt. Beim Blitzen reagierte die Folie mit dem Gas. Die Lampe musste man danach wegwerfen.
- Der Elektronenblitz, wie er heute verwendet wird, ist eine mit Edelgas gefüllte Vakuumröhre, bei der unter hoher Spannung liegende Elektroden (elektrische Kontakte) zu einem Kurzschluss angeregt werden. Dieser Kurzschluss erzeugt das helle kurze Licht.
Die Entwicklung der Blitzgeräte begann schon sehr früh. Serienreif wurden sie aber erst nach dem zweiten Weltkrieg.
1851 nimmt William Henry Fox Talbot am Royal Institut in London das erste Foto der Welt mit Blitzlicht auf. Er benutzt die Energie einer elektrischen Batterie mit vielen Zellen, um seinen Funken zu erzeugen.
Parallel dazu wurde der Magnesiumblitz entwickelt, der im 19. Jahrhundert die meistbenutzte Lichtquelle (neben natürlichem Licht) darstellte.
1852 benutzt Robert Bunsen ein elektrolytisches System zur Herstellung ausreichender Mengen von Magnesium für Untersuchungen. Er bemerkt, dass es mit intensivem Leuchten verbrennt. 1859 untersucht er in Deutschland mit seinem Kollegen Sir Henry Roscoe die Möglichkeit, Magnesium als Quelle künstlichen Lichts für fotografische Zwecke zu nutzen.
1856 fertigt Friedrich W.F.Geissler im Auftrag von van der Willigen die ersten Gasentladungsröhren mit eingeschmolzenen Elektroden an. Sein Bruder, Heinrich Geissler, vervollkommnet die Entladungsröhren, indem er die Technik zum Einschmelzen der Platindrähte verbessert und insbesondere mit der von ihm erfunden Quecksilber-Vakuumpumpe den erforderlichen Niederdruck herbeiführt.
1864 nimmt Alfred Brothers, ein Fotograf aus Manchester, das erste Porträt mit Magnesiumlicht auf. Der Preis für Magnesium sinkt allmählich, liegt aber immer noch bei mehr als dem Doppelten der Kosten reinen Silbers.
1865 macht C.Piazzi Smyth, ein schottischer Fotograf, Aufnahmen der Königskammer in der großen Pyramide. Die Belichtungszeiten werden als „annähernd momentan“ beschrieben.
1865 führt J.Traill Taylor, der häufig als der „Vater der Blitzlichtfotografie“ bezeichnet wird, sein neues Blitzpulver ein, eine Mischung aus pulverisiertem Magnesium und einem Oxidationsmittel. Da Magnesium noch immer sehr teuer ist, findet es keine weitere Verbreitung.
1873 benutzt André Crova eine Gasentladungsröhre für sein Stroboskop zum Studium von Schwingungen.
1878 schlägt Wordsworth Donisthorpe die Verwendung von Funken zum Belichten einer frühen Form von Hochgeschwindigkeits-Film vor. Sein Gerät wurde zwar nie gebaut, aber dieselbe Technik wurde einige Jahre später von Ottomar Anschütz unter Einsatz einer Gasentladungsröhre realisiert.
1883 nützt G.A.Kenyon den fallenden Preis für Magnesium, um ein Blitzpulver herzustellen, das heller ist und weniger unangenehmen Geruch erzeugt als die Formel von Taylor, aber das Rauchproblem in geschlossenen Räumen nicht löst.
1884 benutzt Professor Ernst Mach bei seinen Arbeiten am Physikalischen Institut in Prag Funkenentladungen zum Fotografieren von Geschossen im Flug. Dr. Salcher folgt den Anweisungen Professor Machs und verwendet Funkenentladungen zur Untersuchung von Luftturbulenzen, die durch die schnelle Bewegung von Projektilen hervorgerufen werden.
1886 konstruiert Ottomar Anschütz das Elektrotachyskop oder den „elektrischen Schnellseher“ mit einer Blitzröhre als Lichtquelle zur Projektion von Bewegungsaufnahmen.
1887 stellt Dr. Adolf Miethe in Zusammenarbeit mit Johannes Gaedicke in Deutschland ein Blitzpulver für fotografische Zwecke her, das weniger Rauch ergibt und überlegene aktinische (hautreizende) Eigenschaften hat.
Ende des 19. Jahrhunderts gibt es wesentliche Entdeckungen, die die Edelgas-Blitztechnik weiterbringen:
1898 entdecken William Ramsay und Travers und isolieren die Edelgase Neon, Krypton und Xenon.
1892 fotografiert Sir Charles Boys Geschosse im Flug bei fast 1/10.000.000 Sekunde. In demselben Jahr studiert er auch Flüssigkeitstropfen mit Hilfe von Funkenentladungen.
1893 erfindet M.Chauffour eine Art Blitzkolben. Ein Magnesiumdraht wird in eine schwere Glasflasche eingeführt, die mit Sauerstoff gefüllt ist. Er versucht mit einem elektrischen Funken Wasseraufnahmen mit Blitzlicht zu machen. Seine Experimente werden in dem 1900 in Paris herausgegebenen Buch La Photographie Sous-Marine beschrieben.
1894 zeigt A.M. Worthington eine fallende Quecksilberkugel beim Auftreffen auf ein Quecksilberbad und auf eine harte Oberfläche. Dies basiert auf künstlerischen Darstellungen wiederholter visueller Untersuchungen.
1899 führt Eastman Kodak Blitzbögen ein, die einfach auf einer feuerfesten ebenen Fläche befestigt werden können. Sie werden mit einem einfachen Halter benutzt, mit dem sich das Licht sorgfältig ausrichten lässt. Das Licht dauert ungefähr eine Sekunde. Sie sind zu dieser Zeit die kostengünstigste künstliche Lichtquelle.
1903 wird die Zusammensetzung der Blitzpulver wesentlich verbessert. Durch Hinzufügen von Zirkoniumnitraten, Zer und Thorum wird die Blitzdauer auf ungefähr 1/10 Sekunde verkürzt.
1904 erfindet Lucien Bull die erste Ultrahochgeschwindigkeitsfilmkamera, mit der 2.000 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden können. Von der Kamera ausgelöste synchronisierte Funkenentladungen leuchten dabei jedes Bild aus.
1907 entwickelt Georges Claude ein industrielles Verfahren zur Extraktion von Neon.
1910 produziert Georges Claude Neon-Entladungsröhren mit hoher Leistung für Straßen- und Gebäudebeleuchtung.
1914-1918: Große Magnesium-Luftblitzbomben werden bei frühen Versuchen der Luftbild-Nachtfotografie von Flugzeugen abgeworfen. Wegen der geringen Empfindlichkeit der Filmemulsionen sind die Resultate enttäuschend.
1917 entwickelt Etienne Oehmichen ein elektrisches Stroboskop mit Gasentladungsröhren zum Studium der Bewegungen an laufenden Motoren. Als Ingenieur im Automobilwerk Peugeot konstruiert er auch ein Stroboskop um schnelle Bewegungen zu fotografieren.
1925 erfindet Dr. Paul Vierkötter die erste Version eines einmal verwendbaren Blitzkolbens, bei dem sich Magnesiumdraht mit Sauerstoff bei geringem Druck in einem Glaskolben befindet.
1928 entwickelt Harold E.Edgerton sein erstes Blitzgerät mit einer Quecksilberdampf-Lampe. Es ist im Betrieb unzuverlässig und liefert nur eine bescheidene Lichtmenge. Der erste wirtschaftlich erfolgreiche Blitzkolben wird von der Firma Hauser in Augsburg in Deutschland hergestellt und von der Hauff-Leonard AG vertrieben. Er erhält den Namen Vacublitz und basiert auf Dr. Vierkötters Entwicklung mit patentierten Modifikationen von Johannes B.Ostermeier.
Zunächst jedoch etabliert sich die Blitzkolbentechnik, da sie billiger herzustellen ist und einen Massenmarkt bedienen kann:
1930 beginnt General Electric in England mit der Produktion eines ähnlichen Blitzkolbens. In den Vereinigten Staaten nimmt die Muttergesellschaft die Produktion von Blitzkolben auf Basis der von ihr erworbenen Patente von Vierkötter und Ostermeier auf. Die ersten Blitzkolben enthalten eine leichte zusammengeknüllte Aluminiumfolie in einer Sauerstoffatmoshphäre mit niedrigem Druck.
In diesem Jahr beginnt Marcel Laporte mit seinen Forschungen über Entladungen in Edelgasen. 1932 beginnt auch Osram, ein anderer Hersteller von Blitzkolben in Deutschland, mit der Produktion von Blitzkolben auf Basis derselben Patente. Die Firma Phillips in Holland stellt ab 1934 die ersten drahtgefüllten Blitzkolben her. Diese haben den Vorteil größerer Lichtausbeute und eines einheitlichen Zündverhaltens.
Die Ihagee Exakta Modell B ist 1935 die erste Kamera mit eingebauter Blitzsynchronisation und bildet damit den Beginn einer neuen Tendenz der Produktion. Bis zum Ende des Jahrzehnts sind selbst einfachste Kameras mit dieser Technik ausgestattet.
1937: Drahtgefüllte Blitzkolben sind heller, brennen gleichmäßiger und sind zuverlässiger. Sie ersetzen weitgehend foliengefüllte Blitzkolben aufgrund einer Reihe von Lizenzvereinbarungen zwischen bedeutenden Herstellern.
Erst kurz vor dem Krieg wird die Blitztechnik mit Edelgasröhren (Xenon-Blitz) ausgereift:
1938 werden Blitzkolben bei der Herstellung innen und außen mit einem zähen Lack beschichtet, der verhindert, dass sie bei der Zündung zerplatzen. Diese ist der letzte Schritt, sie sicher und zuverlässig zu machen.
1939 nimmt Edgerton in seinem Fotostudio im Massachusetts Institute of Technology erste Porträtfotos mit einem Elektronenblitz auf.
1939 – 1940 entwickelt Edgerton mit seinen Partnern Grier und Germeshausen ein Studioblitzgerät mit einer Leistung von ungefähr 300 Joule und Xenon-Blitzröhre. 30 dieser Geräte werden hergestellt und an Fotografen verkauft oder ausgeliehen. Eastman Kodak Co. Erwirbt das exklusive Vertriebsrecht für diese Geräte und verkauft 400 Stück unter dem Namen Kodatron. Anschliessend entwickeln sie ein netzunabhängiges tragbares Reporterblitzgerät mit einer Leistung von 55 Joule. Ungefähr zur gleichen Zeit baut auch Edward Farber ein batteriebetriebenes Blitzgerät, das jedoch mit einem Gewicht von 11 Kilogramm für den Gebrauch durch Pressefotografen zu schwer war. Edgertons Blitzsystem für Nacht-Luftaufnahmen wird vor der Landung der Alliierten in der Normandie und später im Pazifik eingesetzt.
Die Firma EG & G entwickelt und produziert ab 1945 ein professionelles Hochleistungs-Blitzsystem mit einer Ausgangsleistung von 3.200 Joule und nach Kriegsende ein System mit der Bezeichnung Sunflash mit 10.000 Joule Ausgangsleistung.
Nach 1945 beginnt der allgemeine Siegeszug der Elektronenblitzgeräte. Anfang der 50er-Jahre entwickeln japanische Hersteller Amateurblitzgeräte mit Transistor-Zerhackerschaltungen.
Das Wabash Reportage-Blitzgerät (Quelle: Flickr)
1951 – 1952: Die Firma Langham bringt das erste kompakte Studiogerät (Monolight) auf den Markt.
1954 führt Balcar Schirmreflektoren in das Zubehörsortiment für Studiogeräte ein.
1960 entwickeln Edgerton, Germeshausen und Grier eine sehr moderne Form von Funkenentladungs-Blitzlichtgeräten für wissenschaftliche Zwecke. Diese Instrumente werden bis ungefähr 1990 produziert. Viele von ihnen sind heute noch im Einsatz.
1963 kommt Der Blitzwürfel (Flashcube), ein Würfel mit 2,5 cm Kantenlänge mit vier separaten Blitzkolben, von denen jeder seinen eigenen Reflektor hat, auf den Markt. Er wurde auf kompakte „Pocketkameras“ gesteckt. Nach den 4 Blitzauslösungen warf man den Blitzwürfel weg.
1968 stellt Broncolor Studiogeräte mit wählbarer symmetrischer und asymmetrischer Leistungsverteilung der am Generator angeschlossenen Leuchten her. Das Einstelllicht wird automatisch an die Blitzintensität angepasst.
Das Broncolor S101, von 1951-1969 gebaut, war größer als ein Kühlschrank, leistete aber bereits 10.000 Joule
1972 bringt General Electric den Flashbar 10 auf den Markt, bei dem zehn Einzelblitze in einer Einheit enthalten sind. Er ist speziell für die Polaroid SX-70 Kamera bestimmt.
1975 – 1978 bringt General Electric den Flip Flash I (1975) und den Flip Flash II (1978) auf den Markt, die acht separate Blitzkolben mit jeweils eigenem Reflektor enthalten. Danach kamen die Entwicklungsarbeiten an chemischen Blitzkolben praktisch zu ihrem Ende.
1979 entwickeln und produzieren Braun und Metz gemeinsam das SCA-Adaptersystem zur Anpassung unterschiedlicher Blitzgeräte an Kameras verschiedener Hersteller.
Seit den 70ern ist der Elektronenblitz fester Bestandteil der Fotografie und auch für Amateure bezahlbar.
Quelle: Auszüge aus „Der Foto-Blitz“ von Pierre Bron und Philip L.Condax







